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Muri, Klosterkirche, Hauptorgel und zwei Chororgeln


Hauptorgel: Thomas Schott 1619-1624, 1744 durch Victor Ferdinand Bossart erweitert

Muri, Klosterkirche, Hauptorgel

Erhaltungszustand: Erweitert in mehreren Etappen 1662 und 1744; kleinere Reparaturen zwischen 1778 und 1832; 1833/34 wurde bei einer Vergrößerung der Empore das Rückpositiv zwischen die Haupttürme eingebaut, 1852 und 1920 erfolgten romantisierende Umbauten; restauriert 1970 durch Orgelbau Metzler. 

Die Hauptorgel der Klosterkirche Muri zeigt in ihrem erweiterten Bestand, wie der Orgelbau des 18. Jahrhunderts die von den vorausgegangenen Generationen eingeschlagenen Wege konsequent fortführte und vertiefte. Die Ausformung der reichen Grundfarbenpalette der 8’- und 4’-Register in den beiden Manualen ist hier ergänzt um Flötenregister auch in den höheren Klangbereichen. Ein eher altertümlich anmutendes Klangelement stellen die durchaus starkbesetzten Mixturen in HW und P dar, während das betont aus nach damaligem Verständnis „lieblichen“ Klangwerten besetzte RP nur eine kleine hochliegende Zimbel besitzt. Die beiden Zungenregister der Orgel vertreten ebenfalls beide klanglichen Pole dieser Orgel, die „gravitätische“ Posaune 16’ im P gegenüber der als Inbegriff des Anrührenden verstandene Vox humana 8’. Interessanterweise fehlen die in jener Zeit im ganzen Umkreis anzutreffenden französischen Elemente wie das Kornett oder eine freie Terzreihe. Weiterhin ungewöhnlich ist ein 2’-Flötenregister im Pedal, ein Klangelement, das sonst nur in Orgel aus dem protestantischen Nord- und Mitteldeutschland bekannt ist und dort als wertvolles Hilfsmittel zur Melodieführung im Pedal geschätzt wurde.

Musikbeispiel:
J. S. Bach (1685-1750): Liebster Jesu, wir sind hier (BWV 754)
Gespielt von Albert Bolliger

Disposition Hauptorgel

 

II+P/33

Manualumfang C-f3,
Pedalumfang C-f1

 

Disposition (1744):

 

HW:

Bourdon                                 16’

Principal                                 8’

Rohrflöte                                8’

Bourdon                                 8’

Spielflöte                                8’

Octava                                    4’

Spitzflöte                                4’

Kleingedackt                          4’

Quintflöte                                3’

Sesquialter                             22/3’ 2f.

Superoctav                             2’

Waldflöte                                 2’

Quinte                                    11/3

Mixtur                                     4-5f.

RP:

Flautomajor                            8’

Bourdon                                 8’

Principal                                 4’

Flaute                                     4’

Quintadena                             4’

Octava                                    2’

Sesquialter                             2f.

Cimbel                                    2f.

Vox humana                            8’

P:

Principalbas                           16’

Holzprincipal                           16’

Subbaß                                   16’

Octavbas                                  8’

Basflöte                                    8’

Quintadenbas                           8’

Bascopel                                  4’

Bauernflöte                               2’

Großmixtur                               12f.

Trompete                                  16’

 

Tremulant

 
 
 

Chororgeln: Joseph Bossart, nach 1744

 Epistelorgel
Epistelorgel
Evangelienorgel
Evangelienorgel

Erhaltungszustand: Bis zur Aufhebung des Klosters blieben die beiden Chororgeln in der Pflege der Familie Bossart. Die Evangelienorgel blieb völlig unverändert erhalten, in der Epistelorgel wurden 1840 zwei Register erneuert. Somit wurden die beiden Chororgeln der Klosterkirche Muri nahezu unverändert – eingeschlossen die originale Stimmung der Pfeifen - erhalten.

Die Klosterkirche Muri besitzt durch eine Reihe glücklicher Umstände noch heute ihre barocke Orgeltrias der Hauptorgel und beider Chororgeln. Die Ergänzung des architektonischen Raumkunstwerks der Abteikirche durch ein mit ebenso großer Sorgfalt durchgestaltetes klingendes Raumkunstwerk der drei von der Hand der Familie Bossart gestalteten und gepflegten Orgeln ist an kaum einem anderen Ort noch nach über zweieinhalb Jahrhunderten in der ursprünglichen Gestalt erfahrbar, da in den allermeisten vergleichbaren Klöstern nach der nahezu flächendeckenden Klosteraufhebung im Verlauf des 19. Jahrhunderts nicht mehr benötigte Orgeln abgebrochen, verkauft, dem Verfall preisgegeben oder aber den wechselnden Zeitgeschmäckern angepaßt wurden.

 

Disposition Chororgeln

Evangelienorgel:

I+aP/8

Manual:

Principale                   8’
Coppel                        8’
Octava                        4’
Flutten                        4’
Superoctava                2’
Sexquialtera                11/3’+4/5’ (rep. ab c1: 22/3’+13/5’)
Mixtur                        2’+1’+2/3’ (rep. ab c1: 4’+2’+11/3’)

 

Pedal:
Subbass                      16’

Epistelorgel:

I+P/16

Manual:

Principale                   8’
Coppel                        8’
Gamba                       8’
Corno                         8’ 5f. (ab c1)
Octava                        4’
Flutte dous                  4’
Nasard                        22/3
Superoctava                2’
Terz                            13/5
Sesquialtera                11/3’+4/5’ (rep. ab c1: 22/3’+13/5’)
Mixtur                        2’+1’+2/3’ (rep. ab c1: 4’+2’+11/3’)
Trompe                       8’ (neu)
Cleron                        4’ (neu)

 P:
Subbass                      16’
Octavbass                   8’
Fagottbass                  8’

 

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