Zur Startseite

Krone Krone Krone

Maihingen, ehem Klosterkirche, Hauptorgel

Maihingen, ehem Klosterkirche, Hauptorgel

Johann Martin Baumeister, 1734-1737

Erhaltungszustand: weitestgehend original erhalten; restauriert 1990/91.

Die Hauptorgel der ehemaligen Klosterkirche in Maihingen im Ries stellt einen außerordentlichen Glücksfall dar. Zwei unglaubliche Glücksfälle der Geschichte haben dazu geführt, dass dieses Instrument gleichsam wie in einer Zeitkapsel eingeschlossen sich noch heute weitestgehend in dem Zustand befindet, den der Erbauer Johann Martin Baumeister hinterlassen hat. Das Kloster Maihingen wurde 1803 säkularisiert und aufgehoben; doch da der Ort Maihingen eine eigene Pfarrkirche besaß, wurde die Klosterkirche danach kaum noch benutzt. Die Orgel hätte wohl bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts einer Reparatur bedurft, doch Baumeister hatte – aus schwer nachvollziehbaren, aber im Nachhinein höchst glücklichen Gründen – keinen Eingang in das Gehäuse eingebaut. So musste das Instrument für Nachstimmungen oder gar Reparaturen vollständig demontiert werden – was zunächst vielleicht nicht auffiel, weil Baumeister keine Zungenstimmen vorgesehen hatte. Da die Orgel wie die Kirche allenfalls einige Male im Jahr genutzt wurde, scheute man diesen unverhältnismäßig großen Aufwand, bis die Orgel völlig unbrauchbar wurde. Dies blieb so über mehr als anderthalb Jahrhunderte, und so überdauerte das Instrument ebendie Phase des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, während der eine Unzahl älterer Orgeln überarbeitet, modernisiert, bis zur Unkenntlichkeit verändert wurden, ohne jeden Eingriff.

Johann Martin Baumeister aus Eichstätt ist sicherlich nicht unter die großen Orgelbauer des 18. Jahrhunderts zu zählen. Allein das einzigartige „Vergessen“ eines Zugangs in die Orgel lässt durchaus einige Zweifel am Sachverstand Baumeisters zu – jedoch hat dies den „Dornröschenschlaf“ des Instruments und damit seine einzigartige Konservierung im ursprünglichen Zustand bewirkt. Beim Bau der Orgel musste an vielerlei Stellen gespart werden, was an den hölzernen Prospektpfeifen mit der schon dazumal wenig haltbaren Zinnauflage auf den ersten Blick erkennbar ist. Stilistisch steht Baumeisters Orgel – der geographischen Lage Maihingens durchaus entsprechend – an einer Art Schnittpunkt zwischen schwäbischen, altbairischen und fränkischen Elementen der Orgelgestaltung. Die Trapeztürme stellen beispielsweise ein eher altertümliches Gestaltungselement dar, das eher im fränkischen Raum üblich war. Die vielfache 8’ Besetzung auch mit Streicherstimmen und die sehr hoch liegenden Mixturen stellen dagegen Stilmerkmale dar, die eher südlich der Donau beheimatet sind.

Musikbeispiel:

Anton Estendorffer : Aria quinti toni (6 Variationen)
Gespielt von Klaus Linsenmeyer

Disposition:

II+P

 

HW:

Bordun                                   16’

Principal                                 8’

Quintatön                               8’

Spitzflauten                            8’

Salecinal                                 8’

Gamba                                    8’

Octava                                    4’

Quint                                       3’

Superoctava                           2’

Mixtur                                      1’ 4f.

Cymbal                                    ½’ 3f.

RP:

Copel                                     8’

Flauten                                   8’

Cythara                                  8’
(Flötenschwebung; „mit der Flauten allein“)

Principal                                 4’

Quint                                      3’

Gemshorn                              2’

Mixtur                                     1’ 3f.

 

P:

Principalbaß                           16’
(Holz verzinnt, im Prospekt!)

Subbaß                                   16’

Octavbaß                                 8’

Quintbaß                                  6’

 

© Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde 2015 | info@greifenberger-institut.de