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Ev.Orgel

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Ep.Orgel

Ebrach, ehemalige Klosterkirche

Ebrach, ehemalige Klosterkirche
Ebrach, ehemalige Klosterkirche
 

Johann Christian Köhler 1753 und 1759
Erhaltungszustand: Bis 1902 mehrere Reparaturen, 1954 Restaurierung durch die Fa. Steinmeyer: Einbau Fagott 16' in die kleinere der beiden Orgeln.

Bereits im 16. Jahrhundert scheint es in der Klosterkirche Ebrach zwei Orgeln gegeben zu haben, die im Chor aufgestellt waren. Wahrscheinlich standen diese Instrumente um 1535 bereits oberhalb des Chorgestühls. Auf Anordnung des Abtes Leonhard Rosa stellte 1569 Orgelbauer Mathias Eckstein aus Heidingsfeld eine grössere Orgel und ein Positiv in der Kirche auf. Plünderungen des 30jährigen Krieges führten zu schweren Beschädigungen des Pfeifenwerks. Rechnungen aus den Jahren 1660/1661 belegen, dass die Instrumente damals noch vorhanden waren, sie wurden jedoch 1669 bis 1671 ersetzt.
Im 18. Jahrhundert kam es zu Neukonzeption der gesamten Orgelanlagen in der Ebracher Klosterkirche. 1742 baute Johann Philipp Seuffert ein neues Instrument auf der Westempore, wozu das Kloster Trinkgeschirr aus Zinn aus dem Refektorium als Material zum Pfeifenmachen beisteuerte. 1753 wurden dann eine zweimanualige und 1759 eine einmanualige Orgel durch den Frankfurter Orgelmacher Johann Christian Köhler wiederum oberhalb des Chorgestühles eingebaut.
Nach der Auflösung des Klosters in der Säkularisation 1803 und Weiternutzung der Kirche für die Pfarrei bemühte man sich, immer wenigstens eine der beiden Chororgeln mit Reparaturen spielbar zu halten, was Rechnungen aus dem Jahren 1825, 1834, 1857, 1873/75 und 1881 bezeugen. 1902 stellte die Firma G. F. Steinmeyer aus Oettingen in das Gehäuse der Hauptorgel ein neues Instrument, wobei aber allem Anschein nach ein Grossteil des Pfeifenwerkes wieder Verwendung fand. Die Chororgeln erklärte man 1927 für nicht mehr spielbar.
1954 restaurierte Steinmeyer die beiden Chororgeln. Dabei dienten die Angaben zu den Instrumenten in Johann Ulrich Sponsels Orgelhistorie (Nürnberg 1771, S. 129-134) als Anhaltspunkte für die Wiederherstellung der Disposition. Daher baute man – vermutlich schon damals gegen die Befunde am Instrument selbst (Platzbedarf) – in die kleine Chororgel ein neues Fagott 16’ ein und fügte den Mixturen je eine Pfeifenreihe hinzu. Aufzeichnungen des Kantors Johann Lorenz Schneider aus Lahm im Itzgrund aus dem Jahr 1803 zeigen jedoch, dass sich Sponsel in einigen Punkten geirrt haben muss. Eine für das Jahr 2008 avisierte erneute Restaurierung wird diese wichtigen Erkenntnisse zu berücksichtigen haben.

Musikbeispiel:


Gaetano Piazza (1725-1770) : Sonata F-Dur für zwei Orgeln
Gespielt von Andreas und Werner Jacob

Dispositionen

Grössere Orgel (II/P, 22)

Heutiger Zustand (nach Sponsel 1771)
Vermutliche Originaldisposition (nach Schneider 1803)
Hauptwerk
Hauptwerk
Principal 8’ 1. Principal – 8 Fuß
Rohrflöte 8’ 2. Gedackt – 8 Fuß
Salcional 8’ 3. Solicional – 8 Fuß
Viola da gamba 8’ 4. Viola Gamba – 8 Fuß
Octava 4’ 5. Octava – 4 Fuß
Flûte d’Amour 4’ 6. Flaute Tamour – 4 Fuß
Super Octava 2’ 7. Super-Oct: – 2 Fuß
Sesquialtera zweyfach 8. Sesquialtera – 2 (fach)
Cornet vierfach 9. Cornetto – 4 (fach)
Mixtura fünffach 10. Mixtur – 4 (fach)
Trompet discant und Baß 11. Trompette – 8 Fuß



Oberwerk
Oberwerk
Hohlflöte 8’ 12. Hohl Flaute – 8 Fuß
Flûte Traversière 8’ 13. Flaut: Trav. 4 Fuß
Viola da Gamba 8’ 14. Viola Gamba 8 Fuß
Krumhorn 8’ 15. Crum Horn – 4 Fuß
Vox humana 8’ 16. Vox humana – 8 Fuß
Fugara 4’ 17. Fugara – 4 Fuß
Flageolet 2’ 18. Flaschnett – 2 Fuß

19. Hohl Flaut: 4 Fuß
Tremulant
Tremuland, Manual Coppel



Pedal
Pedal
Sub Bass 16’ 20. Sub Baß – 16 Fuß
Violon Bass 8’ 21. Violon B. 16 Fuß
Super Octav Bass 4’ 22. Sup: Oct. – Fuß





Nota. Diese Orgel hat 3 Bälche.

Kleinere Orgel (I/P, 14)

Manual
Manual
Principal 8’ 1. Princip: – 8 Fuß
Bordun 8’ 2. Porton – 8 Fuß
Gemshorn 8’ 3. Gemshorn – 8 Fuß
Flauto Italica 8’ 4. Italienische Flaute – 8 Fuß
Salcional 8’ 5.
Duiflöt 4’ 6. Duett Flaute – 4 Fuß
Octava 4’ 7. Octava – 4 Fuß
Quinta 3’ 8. Quinta
Super Octava 2’ 9. Super Oct: – 2 Fuß
Mixtura fünffach 10. Mixtur – 4.fach
Chalumeau Discant und Baß 11. Schalmeje – 8 Fuß
Fagotto 16’ 12. Fagot – 8 Fuß
Copula




Pedal
Pedal
Sub Bass 16’ 13. Sub Baß – 16 fuß
Violon Bass 8’ 14. Sub Baß – 16 fuß





Nota. Sie hat eine Manual-Koppel und 2 Bälche und nur 1 Clavier

Q:
Wolfgang Wiemer, Zur Geschichte der Orgeln der Ebracher Klosterkirche, in: 120. Bericht des Historischen Vereins Bamberg 1984, S. 671-681.

Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas, Anmerkungen zu Johann Lorenz Schneiders Beschreibung der in Bamberg gesenen und gespielten Orgeln, in: Kirchenmusikalisches Jahrbuch 65 (1981), S. 95-103.

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