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Salzburg, Dom, Hauptorgel

Salzburg, Dom, Hauptorgel 
Salzburg, Dom, Hauptorgel

Christoph Egedacher 1702-03, erweitert durch Johann Christoph Egedacher 1705 und erneut 1718.

Erhaltungszustand: Nach mehreren radikalen Umbauten im 19. Jahrhundert und Kriegsschaden 1944 nur Gehäuse erhalten.

Die Salzburger Große Domorgel war ein für die gesamte Orgelbaugeschichte nicht nur im süddeutschen Sprachraum, sondern weit darüber hinaus bedeutsames Werk. Der Salzburger Dom besaß nicht nur die Hauptorgel auf der Westempore, sondern noch vier weitere Orgelemporen an den Vierungspfeilern, die zur besonderen Klangwirkung mehrchöriger Kompositionen des 17. Jahrhunderts wesentlich beitrugen. Die 1703 erbaute und kurz darauf in zwei Schritten erweiterte Hauptorgel des Doms stellt das erste und eines der bedeutendsten Breispiele für die Verschmelzung italienischen Orgelstils mit den älteren Traditionen nördlich des Alpenhauptkamms dar.

Salzburg, Dom, Hauptorgel

Das bedeutendste Werk der Orgelbauerfamilie Egedacher entstand als Gemeinschaftswerk mehrerer Generationen. Zeitgenössische Stimmen wie der Salzburger Organist und Musikschriftsteller Johann Baptist Samber rühmen die überaus mannigfaltigen Registrierungsmöglichkeiten und den Farbenreichtum, doch schon die frühen Erweiterungsbauten bezeugen die von Anbeginn an erhobene Kritik, das Werk sei – von der zum Gesamtraum akustisch eher ungünstig stehenden Westempore aus – insgesamt zu schwach für den Raum des Domes, ein Vorwurf, der letztlich zur erneuten Erweiterung und Romantisierung des Werkes im 19. Jahrhunderts führte, bei dem schon damals vom Egedacher-Werk faktisch nichts mehr übrig blieb – auch dies ein exemplarisches Schicksal so mancher bedeutender Orgelwerke des Barocks.

Die Egedacher-Disposition liest sich heute in manchen Punkten so rätselhaft wie gleichermaßen faszinierend: Welchen Effekt „der große Agges“ als Klangfundament gehabt haben mag, inwieweit die „Rauschwerke“ mit ihrer Vielzahl an Pfeifenreihen aus offensichtlich ganz unterschiedlichen Registerfamilien ihre Wirkung im „völligen Anschlag“ der Orgel entfalten haben mögen, oder die Vielzahl der Zungenstimmen vor allem des Oberwerks ohne jedes Vergleichsbeispiel vorher und danach geklungen haben, ist heute kaum noch nachzuvollziehen, da dieses Orgelwerk nie – im Gegensatz zu manch anderer berühmten Orgel der Epoche – auch nur in Ansätzen kopiert wurde. So ist auch die Konstruktion der Rauschwerke, der Register „Harpa“ und „Scarpa“, die Bauart des zweifachen (!) Zungenregisters „Sordun“ bis heute unbekannt. Von einer der bedeutendsten Orgeln des Barocks blieben über die Jahrhunderte nur noch Teile des Gehäuses der Nachwelt erhalten.

Disposition

II+P (1703), erweitert auf III+P (1705)

Manuale C-c3 (kurze Oktav), Pedal C-gis0

HW:
Praestant 8’ (Zinn)
Holzprincipal 8’
Copl 8’ (Metall; 1718 ins UW)
Quintidena 8’ (Metall)
Octav 4’ (Metall)
Nacht-Horn 4’ (Metall; 1718 ins UW)
Fleten 4’ (Metall)
Quinte 3’ (Metall)
Superoctave 2’ 8f. (Metall)
Horn oder Sesquialtra 1 3/5’ 4f (Metall)
Mixtur 3’ 6f. (Metall)
Cymbl 1’ 4f. (Metall)


OW (ab 1705: UW):
Viola 8’ (Metall; 1718 ins HW)
Salicinal 8’ (Zinn; 1718 ins HW)
Octav 4’ (Zinn)
Rohr-Fleten 4’ (Metall; 1718 ins HW)
Quint 3’ (Metall)
Wald-Fleten 2’ (Zinn)
Mixtur 1 1/3’ 3f. (+, 1718)
Harpa 16’ (+, 1705; ab 1718: 8’)
Rauschwerk 13f. (+, 1705; 1718 ins HW; „von Metall / und Zungenwerck, ist zum völligen Anschlagen tauglich“)

OW (+, 1705)
Principal 8’ (Zinn)
Flett duss 4’ (Holz)
Piffaro 4’
Flauten 4’
Flageolett 2’ (Zinn)
Swegl 2’
Fagott 8’
Trombon 8’
Posaun 8’
Scarpa 4’
Schalmay 4’
Cornetti 2’


P:
Infrabaß (“Der große Agges”) 32’ (Holz)
Subbaß 16’ (Holz, +, 1705)
Bourdon 16 (Zinn; Prospekt)
Principal 8’ (Zinn)
Suboctav 8’ (Holz)
Octav 4’ (Metall)
Mixtur 3’ 8f. (Metall)
Rauschwerk 10f. (Metall, +, 1705)
Bombardon 16’ (+, 1705)
Sordun 8’ 2f. (+, 1705)

Voglgsang; Heer-Paucken

Q: Metropolitankapitel (Hrsg.), Festschrift zur Weihe der neuen Großen Orgel, Salzburg 1988.

 

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