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Görlitz, St. Peter und Paul („Sonnenorgel“)

Görlitz, St. Peter und Paul („Sonnenorgel“)
Görlitz, St. Peter und Paul („Sonnenorgel“)

Johann Eugen und Adam Orazio Casparini 1697-1703

Erhaltungszustand: 1928 war nur noch das Gehäuse und ein Register erhalten; nach mehreren Um- und Neubauten im 19. und 20. Jahrhundert ist das Instrument verloren.

Die „Sonnenorgel“ von Vater und Sohn Casparini war eine der schon zu ihrer Zeit bedeutendsten und berühmtesten Orgeln Europas: Mit ihr verbinden sich mehrere für den weiteren Verlauf der Orgelbauentwicklungen sehr bedeutsame Tendenzen und Ereignisse. Es handelt sich hierbei um ein Instrument, das exemplarisch oberitalienische Stilelemente und Klangvorstellungen aus dem äußersten Süden in den damals äußersten Norden des habsburgischen Herrschaftsgebietes verpflanzte und mit den Vorlieben und Vorstellungen, die dort beheimatet waren, verband. Diese Eigenheiten entsprechen den Lebensumständen ihrer Schöpfer, vor allem Johann Eugen (Giovanni Eugenio) Casparinis, der der näheren Umgebung von Görlitz entstammte, aber als Orgelbauer nahezu ausschließlich in Oberitalien tätig war. In gründlicher Kenntnis der durchaus unterschiedlichen Orgeltraditionen innerhalb des Habsburgerreiches schuf er eine Art „Habsburgerorgel“, die später sowohl die Orgellandschaft Altösterreichs wie auch Schlesiens (nach Eroberung durch Preußen) und des benachbarten Sachsen nachhaltig beeinflussen sollte.

Ursprüngliche Disposition laut Kontrakt 1697:

HW:
(C-c3)
Prinzipal 16’
Fiffaro 8’ (D; ab b0)
Ottava 8’
Große Flöt oder Lieblich Gedackt oder Viol di Gamb 8’
Super Ottava 4’
Klein gedackter Pommer 4’
Rohr Flöt 3’
Decima Nona [3 1/5’]
Rauschpfeiffe 2’ 2f.
Vigesima secunda 2’
„Tertia oder Zinck“ 2’ [2f.]
Vigesima sexta 1 1/2
Vigesima Nona 1’
Trombetta 8’ („wie zu Trient durchs ganze Clavir“)

OW:
Quintadena 16’
Principall 8’
Principal eng oder Wald Flöt 8’
Ottava 4’
Spitzflöt 3’ (“meiner Inventur“)
Gedackte Floet Dois 2’
Sedecima oder Super Ottava 2’
Glöckleinthon oder Tony Faber 2’ [2f.]
Cornetti 3f.
Super Sedecima 1 1/2
Cymbel 1 1/3’ 2f.
Scharf 1’ [2f.?]

BW:
Grobgedackt 8’
Prinzipal 4’
Ottava 2’
Plockflöt 2’
Quint-Nasat 1½’
Sedecima 1’
Scharfe Mixtur 1½’ 3f.
Schalmeyen oder Hautbois 8’ („wie zu Trient“)

P:
(zum OW:)
Contro Baß oder Quintaden Baß 16’
Tuball Floet 8’
Octaven Baß 4’
Krumbhörner 8’
(zum HW:)
Unter-Contro ò Subbaß 16’
Bordunen Subbaß 16’
Ottaven Baß oder Quintaden 8’
Dulcian 16’
(zum BW:)
Tromba 8’
Cornetti oder Jungfer Regall 4’
Jubal 4’
Helle Cymbal ½’ (“wie zu St. Paul und zu St. Justinian in Padua“)
(der „große Baß“:)
Groß Sub-Principall Baß 32’ (ab F im Prospekt)
Ottaven- oder Bordunen Baß 16’
Gemshorn Baß 8’
Groß Hell Quinten Baß 6’
Tuball Flöten Baß 4’
Pauren Flöten Baß 1½’ + 1’
Mixtur 2’ 4-5f.
Groß Posaunen Baß 16’
[Großmixtur] 17f. (realisiert 12f.)

2 Tremulanten (OW/BW), Manualkoppel, Pedalkoppeln (mittels doppelter Ventile in den Windladen), „Register zur umlaufenden Sonne, zum Creuz“, Nachtigall, Heerpauken.

 

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