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Steinkirchen            

Arp Schnitger 1685-1687 unter Verwendung von Material der Vorgängerorgel von Dirck Hoyer 1581

Erhaltungszustand: weitgehend erhalten; ein Register stammt von 1775 (Georg Wilhelm Wilhelmy), ein weiteres ging 1909 wie auch einige Aliquotregister verloren und wurde bei den Restaurierungen 1947/48 und 1987 durch die Rudolf von Beckerath GmbH erneuert.

 

In seinem späteren Wohnort Steinkirchen bei Hamburg erbaute Arp Schnitger eine neue Orgel, wobei er, wie bei ihm durchaus üblich, brauchbare Register eines älteren Instrumentes soweit möglich übernahm. Die Altsubstanz etwa des Registers Rohr Flöt zeigt dabei den im 15. und 16. Jahrhundert üblichen Tonumfang von F bis a2, den die Vorgängerorgel von Dirck Hoyer noch besaß. Schon Hoyer hat offenbar ältere Pfeifen wiederverwendet, denn die Register Octav 4’ und 2’ im Hauptwerk scheinen nach ihrer Machart zu urteilen dem frühen 16. oder gar dem 15. Jahrhundert zu entstammen. Somit repräsentiert diese Orgel nahezu ein halbes Jahrtausend Orgelgeschichte, das nicht zuletzt der Hochachtung späterer Orgelbauer vor den Schöpfungen ihrer jeweiligen Vorgänger zu verdanken ist.

Der Orgelprospekt zeigt die Idee des „Hamburger Prospekts“ in einer unerwarteten Form. Die beiden Pedaltürme stehen völlig frei und in die Emporenbrüstung eingelassen in einigem Abstand zum Hauptgehäuse, das die beiden Manualwerke übereinander beherbergt. Diese Art der Aufstellung wirkt sich auf die Klangentfaltung der einzelnen Werke ungewöhnlich günstig aus, insbesondere für das reichbesetzte Pedal, das eine ganze Reihe von hochliegenden Melodieregistern besitzt. Diese Bauart unterstützt vor allem das Triospiel sowie die Interpretation protestantischer Orgelchoräle mit einer langsamen Choralmelodie im Pedal. Sie bezeugt auf diese Weise, dass zwischen der Orgelarchitektur und der musikalischen Architektur einer Komposition durchaus ein enger Zusammenhang besteht.

Musikbeispiel:

J.S. Bach : Herr Gott, nun sei gepreiset(Orgelbüchlein) BWV 601
Gespielt von Alexander Fiseisky

Film zur Orgel in Steinkirchen

Disposition

Manualumfang C, D, E, F, G, A – c 3 ; Pedal C, D, E- d 1

II+P

HW:
Quintadena 16’ (Schnitger bis e, ab f Hoyer)
Principal 8’ (Schnitger)
Rohr Flöt 8’ (F-g 2 , a 2 Hoyer, übrige Schnitger)
Octav 4’ (großteils vor 1581)
Nassat 3’ (C-g Hoyer, ab gis Schnitger)
Octav 2’ (vor 1581)
Gemshorn 2’ (Schnitger)
Sex Quialter 2f. (Schnitger)
Mixtur 4-6f. (v. Beckerath)
Cimbel 3f. (v. Beckerath)
Trompet 8’ (Schnitger)
BW:
Gedact 8’ (v. Beckerath)
Rohr Flöht 4’ (Schnitger)
Quinta 3’ (ursprünglich 1 1 / 3 ’)
Octave 2’ (Schnitger)
Spitz Flöth 2’ (Schnitger)
Tertzian 2f. (großteils Schnitger, 11 Pfeifen v. Beckerath)
Scharff 3-4f. (Schnitger)
Krumphorn 8’ (bis H Schnitger, ab c Hoyer)
P:
Principal 16’ (Schnitger)
Octav 8’ (Wilhelmy)
Octav 4’ (Schnitger)
Nachthorn 2’ (v. Beckerath)
Rausch Pfeiff 2f. (v. Beckerath unter Verwendung erhaltener Substanz)
Mixtur 4-5f. (v. Beckerath unter Verwendung erhaltener Substanz)
Posaune 16’ (Schnitger)
Trompet 8’ (Schnitger)
Cornet 2’ (v. Beckerath unter Verwendung erhaltener Substanz)

 Manualkoppel, 3 Sperrventile, Termulant (v. B.), Cimbelstern.

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