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Roskilde, Dom

Erhaltungszustand: Der äußere Schein des Instruments mit seinem prächtigen Gehäuse aus dem 16. und 17. Jh. reflektiert nur zum Teil den inneren Erhaltungsgrad: Das Rückpositiv stammt noch weitgehend aus der Mitte des 17. Jh. Ebenso sind auch die meisten Pfeifen der sichtbaren Principale und einzelner Grundregister fast vollständig erhalten. Darüber hinaus aber haben die Veränderungen über die Jahrhunderte den klingenden historischen Bestand kräftig vermindert.

Der Dom zu Roskilde, rund 30 km westlich der Hauptstadt Kopenhagen, ist Monument dänischer Geschichte: Seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts ist er bis heute die Grablege der dänischen Monarchen.
Der Bau des Doms wurde im letzten Drittel des 12. Jh. noch im romanischen Stil begonnen und ein Jahrhundert später mit dem gotischen Chor zum vorläufigen Abschluss gebracht. Im Laufe der Jahrhunderte wurden größere Kapellen hinzugefügt. 1995 wurde der Dom von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

 

Im Wesentlichen waren es niederländische und deutsche Orgelbaumeister die im Reich Dänemark von der Mitte des 16. bis in die Mitte des 17. Jh. wirkten:

  • H. R. Rottenstein-Pock (oder Rodensteen-P.), der auch in Sachsen mit wichtigen Orgelbauten in Erscheinung getreten war
  • Hans Brebos aus Antwerpen (Siehe auch Morlanda)
  • Nicolaus Maas, wohl aus Deutschland stammend, wurde 1603 königlich dänischer Hoforgelbauer
  • Esaias Compenius (Siehe auch Hillerød/Frederiksborg)
  • Johan Lorentz, dessen Arbeiten in Helsingør und Helsingborg (heute Schweden) den jungen Dieterich Buxtehude beeinflusst haben dürften
  • Hans Christoph Fritzsche, der Sohn des sächsischen Hoforgelmachers Gottfried Fritzsche

Von den Werken des Orgelbaus in Dänemark vor dem 19. Jahrhunderte sind jedoch – vor allem im Vergleich zu benachbarten Regionen – nur bescheidene Reste erhalten, so dass die Orgel des Doms zu Roskilde trotz ihres relativ geringen Erhaltungsgrads eines der wichtigsten Denkmäler der älteren dänischen Orgelkultur ist. Mit der Kanzel, 1610, und dem bald danach errichteten Stuhl (Loge) Christians IV. bildet sie auch kunstgeschichtliche Einheit.
 Die Geschichte der heute nur noch zum Teil erhaltenen Orgel des Doms zu Roskilde kann in zwei große Phasen eingeteilt werden: Die erste Phase reicht vom Neubau 1554 und der Erweiterung hundert Jahre später bis zum Anfang des 19. Jh. Von einschneidenden Veränderungen des 19. und Anfang des 20. Jh. sowie der weitgehenden Rekonstruktion 1988–1991, die die Wiedergewinnung des Zustands vor 1833 anstrebte, ist die zweite Phase gekennzeichnet.

Geschichte der Orgel, Übersicht

(halbfett: wesentliche Daten zum heutigen Bestand)

1554 Neubau

Herman Raphaëlis Rottenstein-Pock. Die Orgel wird an der Stelle einer Vorgängerorgel an der Südwand des Hauptschiffs errichtet (Schwalbennest).

1611 Umbau

Nicolaus Maas

1654–1655 Umbau/Erweiterung

begonnen oder projektiert vielleicht noch unter Johan Lorentz (+1650), wahrscheinlich hauptsächlich durch dessen Gesellen Gregor Mülisch (+1654) ausgeführt, und vollendet durch Peter Karstensen Botz

um 1700

erste Aufzeichnung der Disposition (III/P/29)

1833 Umbau/Erweiterung

Jürgen Marcussen u. Andreas Reuter. Erweiterung des Klaviaturumfangs: Neue Windladen im Hauptwerk und neues Rückpositivgehäuse hinter dem alten Prospekt.


Neues Oberwerk mit Schweller anstelle des Brustwerks. Das Pedal wird hinter dem Hauptgehäuse aufgestellt.


Spielmechanik und Windversorgung neu.


Tonhöhe um einen Ganzton erhöht.

1877 Umbau


1926 Umbau/Erweiterung

Th. Frobenius & Co.

1957 Umbau

Th. Frobenius & Co. Reduzierung der Registerzahl

1988–91 Restaurierung und Rekonstruktion

Marcuss1988–91 Restaurierung und Rekonstruktionen & Søn (Åbenrå /Apenrade, Dänemark)

Musikbeispiel

Musikbeispiel:
Heinrich Scheidemann, Galliarda in d-moll
Gespielt von Gustav Leonhardt

Disposition

Manual (HW)

CDEFGA-c’’’

Principal 8’ 1654-55 G-cs’ im Prospekt
Bordun 16’ 1554 einzelne Pfeifen neu
Spitzflöjt 8’ 1554
Octava 4’ neu einzelne Pfeifen 1654–55
Rohrflöjt 4’ neu
Nassath 3’ neu
Super Octava 2’ neu einzelne Pfeifen 1654–55
Mixtur IV-V neu einzelne Pfeifen 1654–55
Trompet 8’ neu

Rückpositiv (RP)

CDE–c’’’

(1655: CDEFGA–c’’’)

Windlade 1654–55. Die Kanzellen für die Töne Fis und Gis wurden aus Erweiterungskanzellen von 1833 hergestellt.

Principal 4’ 1654-55, Diskant z.T. neu C-gs’ im Prospekt
Gedact 8’ 1554
Gedact 4’ 1554, oberste Oktave neu
Octava 2’ 1654–55
Salicional 2’ 1654–55
Sesquialt 2’ 1654–55
Sedecima 1’ 1654–55
Mixtur III 1654–55
Hoboy 8’ 1654–55

Brustpositiv (BP)

CDEFGA–c’’’

Gedact 8’ neu
Gedactflöjt 4’ neu
Waltflöjt 2’ neu
Octava 2’ neu einzelne Pfeifen 1654–55
Sedecima 1’ neu einzelne Pfeifen 1654–55
Regal 8’ 1654–55
Geigen Regal neu einzelne Pfeifen 1654–55

Pedal (P)

C–d’ (Den Tasten Cs und Ds entsprechen keine Töne in entsprechender Lage;
sie sind mit den Tönen cs° und ds° verbunden.)

Principal 16’ 1654-55 F-cs’ im Prospekt
Octava 8’ neu einzelne Pfeifen 1654–55
Gedact 8’ neu einzelne Pfeifen 1654–55
Octava 4’ neu
Mixtur V neu
Posaun 16’ neu
Trompet 8’ neu
Schalmej 4’ neu
Zimbelstern 1654–55
Fuglesang (Vogelgesang) neu
Calcantenglocke

Sperrventile: HW u. BP, RP, P

Drei Tremulanten: HW u. BP, RP und P)

Vier neue Keilbälge

Koppeln:
BP/HW, HW/RP, W/P, RP/P

Stimmtonhöhe: a’ =   432 Hz bei 16° C

Stimmung:
1544 bzw. 1654–55 wahrscheinlich mitteltönig.
1991 eingestimmt in einer ungleichstufigen Temperatur nach Neidhardt

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