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Krone Krone

Lüdingworth (-Cuxhaven), St. Jacobi d.Ä.

Arp Schnitger und Andreas Weber 1682/83 unter Verwendung von Material der Vorgängerorgel von Antonius Wilde 1598-1600

Erhaltungszustand: Pfeifen und Laden weitgehend erhalten; RP-Prospektpfeifen 1916 requiriert. Restauriert 1982 (Traktur, Balganlage).

Die Orgel in Lüdingworth ist in vieler Hinsicht durchaus typisch für die Arbeiten der Schnitger-Werkstatt. Wie in vielen Fällen integrierte Schnitger das klanglich verwertbare Material der Vorgängerorgel, in diesem Falle einer Orgel von Antonius Wilde aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Auf diese Weise blieb in Schnitgers Instrumenten oft bedeutend älteres Pfeifenmaterial erhalten. Diese Praxis entsprang allerdings oft weniger der Pietät gegenüber der Arbeit bedeutender Vorgänger, sondern schlichter Einsparung bei den Baukosten.

Immerhin setzte Schnitger auf diese Weise die bedeutende norddeutsche Orgelbautradition etwa der Werkstätten Scherer, Fritzsche und anderer nicht nur in der Gliederung des „Hamburger Prospekts“ in einzelne, deutlich voneinander getrennte Orgelteilwerke fort, sondern auch in der Klanglichkeit, die nicht unmaßgeblich von den (in der Regel – wenn noch brauchbar – übernommenen) Plenumsregistern geprägt wurde. Eine Disposition einer Schnitger-Orgel, die die unterschiedlichen historischen Stadien des jeweiligen Instruments verzeichnet, erlaubt aber noch weitere Aufschlüsse: die Schnitgerschen Register entsprechen den modernen Klangvorstellungen der Wende zum 18. Jahrhundert: Veränderungen bei den Klangkronen, neue modische Klangfarben bei Flöten- oder Zungenregistern oder wie hier die Ergänzung um das Rückpositiv verraten das Streben nach neue Spiel- und Klangmöglichkeiten.

Musikbeispiel

Musikbeispiel:
Heinrich Scheidemann : Gagliarda ex D
Gespielt von Ingo Duwensee

Film zur Orgel in Lüdingworth

Disposition

Manualumfang C, D, E, F, G, A-c3; Pedal C, D, E, F-d1.

III+P

OW:
Quintadena: 16’ (ab F; Wilde/Schnitger)
Principal: 8’ (Wilde)
Rohrflöet: 8’ (Wilde)
Octave: 4’ (Wilde)
Rohrflöet: 4’ (Wilde)
Nahsat: 3’ (Wilde)
RauschPfeiff: 2f.
    (Wilde/Schnitger; C-H: 1 1/3’+ 4/5’; ab c: 2 2/3’+1 3/5’)
Octave: 2’ (Wilde)
Mixtur: 11/3’ 5f. (Wilde/Schnitger)
Zimbel: 3f. (Schnitger/1982)
Trommette: 8’ (Wilde/Schnitger)

RP:
Gedackt: 8’ (Wilde/Schnitger)
Principal: 4’ (Schnitger/1982)
Spilflöet: 4’ (Schnitger)
Octave: 2’ (Schnitger)
Waltflöit: 2’ (Schnitger)
Siflöit: 1 ½’ (Schnitger)
Sexquialtera: (2 2/3’+1 3/5’) 2f. (Schnitger)
Tertzian: 2f. (rep.; Schnitger)
Scharff: (2/3’) 4-6f. (Schnitger)
Dulcian: 16’ (Schnitger/1982)

BP:
Gedackt: 4’ (Wilde/Schnitger)
Holquinta: 3’ (D; Wilde)
Octav: 2’ (Wilde/Schnitger)
Scharff: 1 1/3’ 3f. (Schnitger)
Regal: 8’ (Wilde)

P:
Untersatz: 16’ (Wilde)
Principal: 8’ (Schnitger)
Octava: 4’ (Wilde)
Nachthorn: 2’ (1982)
Rauschquinte: (2 2/3’+2’) 2f. (Wilde)
Mixtur: 11/3’ 5f. (1982)
Trombone: 16’ (Schnitger)
Trommet: 8’ (Wilde)
Cornet: 2’ (1982)

Koppel BP/OW; (1982:) Tremulant, 2 Zimbelsterne, Vogelgesang.

 

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