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Hamburg, St. Jacobi

Arp Schnitger 1689-93, unter Verwendung älteren Materials

Erhaltungszustand: Windladen original, Pfeifenwerk weitgehend original; im 2. Weltkrieg eingelagert; wiederaufgebaut 1940-50, restauriert 1959-61 durch die Firma Kemper. Damals Neubau des im 2. Weltkrieg zerstörten gehäuses. 1989-93 Restaurierung durch jürgen Ahrend. Dabei wurden die Emporen an der Westwand der Kriche auf den historischen Zustand zur Zeit Schnittgers zurückgeführt. Die Orgel erhielt ein nach alten Abbildungen rekonstruiertes Gehäuse aus massiver Eiche.

Diese Orgel ist eines der bemerkenswertesten Beispiele, wie ein derartiges Instrument über Jahrhunderte anwuchs, indem es über Generationen immer wieder modifiziert, erweitert, um- und neugestaltet wurde. Die ältesten noch erhaltenen Pfeifen stammen aus dem Orgelneubau von 1512-16, der seinerseits ein Vorgängerinstrument aus der Zeit vor 1443 abgelöst hatte. Arp Schnitgers Neubau gingen nicht weniger als ein rundes Dutzend kleinerer oder größerer Orgelbaumaßnahmen voraus, die nicht selten einem teilweisen oder völligen Neubau manchmal in Abständen von wenigen Jahrzehnten gleichkamen.

 

Schnitger übernahm, wie er es häufig tat (oder zu tun angehalten wurde), eine größere Anzahl vor noch brauchbaren Registern aus den Vorgängerinstrumenten, hier nicht weniger als 14 ganz oder in Teilen. Von den 60 Registern zu Schnitgers Zeiten sind noch 55 erhalten; 3 Prospektregister wurden im 1. Weltkrieg requiriert und eingeschmolzen – sie sollen zur Herstellung von Konservendosen gedient haben..

Das Instrument, zur Entstehungszeit das größte in Hamburg, wurde im 18. Jahrhundert zum Ziel zahlreicher Organisten und Musiker, darunter vermutlich auch Georg Friedrich Händel. Johann Sebastian Bach bewarb sich hier 1720 um die Organistenstelle, wurde aber zugunsten eines Kandidaten, der sich die Ernennung genügend kosten ließ, abgewiesen.

Für die nach dem 1. Weltkrieg einsetzende Orgelbewegung wurde dagegen die Hamburger Jacobi-Orgel geradezu in den Rang einer Ikone erhoben, des Wunschbildes zur Interpretation der Orgelmusik Bachs und anderer barocker Orgelmeister. Orgelgelehrte wie Hans Henny Jahnn und Organisten wie Günther Ramin, Karl Straube und Albert Schweitzer verbreiteten den Ruhm des Instruments als Bach-Orgel und begründeten damit die Assoziation Bachscher Orgelmusik mit Orgeln norddeutschen Stils.

 

Musikbeispiel

Musikbeispiel:
J.S. Bach : Fuge D-Dur (BWV 532)
Gespielt von Rudolph Kelber

Film

Disposition

IV+P/60


HW:
Prinzipal 16’ (20. Jhd.)
Quintadena 16’ (großteils übernommen)
Oktave 8’ (großteils übernommen)
Spitzflöte 8’
Viola da gamba 8’ (Lehnert 1760; ursprüngl. Kammergedackt)
Oktave 4’
Rohrflöte 4’ (1512)
Superoktave 2’
Flachflöte 2’ (im 18. Jhd, entfernt, erneuert)
Rauschpfeife 2f.
Mixtur 6-8f.


RP:
Prinzipal 8’ (20. Jhd.)
Gedackt 8’ (übernommen)
Quintadena 8’ (übernommen)
Oktave 4’
Blockflöte 4’ (großteils übernommen)
Quinte 22/3’ (übernommen)
Sesquialtera 2 2/3’+1 3/5’ 2f. (großteils übernommen)
Oktave 2’
Sifflöte 1 1/3’ (großteils übernommen)
Scharff 6-8f. (übernommen)
Dulzian 16’ (möglicherweise übernommen)
Bärpfeife 8’
Schalmey 4’


OW:
Prinzipal 8’ (ursprüngl. erst ab c0)
Rohrflöte 8’
Holzflöte 8’
Oktave 4’ (großteils übernommen)
Spitzflöte 4’
Nasat 2 2/3’
Oktave 2’ (übernommen)
Gemshorn 2’
Scharff 6f.
Zimbel 3f. (mit Terzreihe)
Trompete 8’
Vox humana 8’
Trompete 4’

BW:
Holzprinzipal 8’ (übernommen)
Oktave 4’ (übernommen)
Hohlflöte 4’ (möglicherweise übernommen)
Sesquialtera 22/3’+13/5’ 2f. (übernommen)
Waldflöte 2’ (möglicherweise übernommen)
Scharff 4-6f.
Trechterregal 8’
Dulzian 8’


P:
Prinzipal 32’ (C-fis0 20. Jhd.)
Oktave 16’
Subbaß 16’
Oktave 8’
Oktave 4’
Nachthorn 2’
Rauschpfeife 3f. (großteils übernommen)
Mixtur 6-8f. (übernommen)
Posaune 32’
Posaune 16’
Dulzian 16’ (großteils übernommen)
Trompete 8’
Trompete 4’ (übernommen)
Cornet 2’ (übernommen)


Koppeln RP/HW, OW/HW, HW/P, RP/P; Zimbelsterne, Tremulanten

 

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