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Einführung: Orgellandschaft Nordamerika

In den nordamerikanischen Kolonien wurden erst im Laufe des 18. Jahrhunderts Orgeln in einzelnen Kirchenbauten errichtet, zunächst vor allem in lutherischen und hussitischen („Moravian Brothers“) Glaubensgemeinschaften, die schon in Europa Orgelmusik in der Liturgie besonders gepflegt hatten. Ihre Ansiedlungen waren häufig nicht sehr groß, doch waren ihre Bewohner nicht als einzelne Auswanderer, sondern häufig zusammen als geschlossene Gruppe in die Neue Welt emigriert, und so bildete der Bau einer Kirchenorgel nicht nur ein Erinnerungssymbol an die alte Heimat, sondern auch ein Ausweis der Prosperität der neuen Gemeinden. Deren religiöse und soziale Homogenität führte allerdings nicht selten langfristig zu einer Stagnation in der Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft, die dazu beitrug, die Kirchenbauten und Orgeln der Gründungsphase solcher Gemeinden lange zu bewahren.
Es handelte sich meistens um relativ kleine Instrumente, da in jenen Zeiten die Kirchen, in denen sie standen, ebenfalls nicht sehr groß waren; sowohl diese als auch die Orgeln hatten oft etwas Provisorisches an sich, und so ist die Zahl der erhaltenen Denkmäler jener Zeit sehr gering.

Der nordamerikanische Orgelbau im 18. Jahrhundert erwächst im Umfeld der aus Mitteleuropa stammenden Herrnhuter Brüdergemeinde („Moravian Brothers“) und der lutherischen Gemeinden in den amerikanischen Oststaaten, aber vor allem in Pennsylvania. Die ersten bekannten Orgelbauer, wie Johann Gottlob Clemm, David Tannenberg oder Johann Philipp Bachmann, stammten denn auch aus Sachsen und Thüringen: Frühe amerikanische Orgeln verraten auch mitteldeutsche Vorbilder, doch schon um die Zeit des Unabhängigkeitskrieges und danach wird der englische Stileinfluß stärker, was sich im weitgehenden Verzicht auf Mixturen oder im vergrößerten Manualumfang zeigt.

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