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Freiberg (Sachsen), Dom

Freiberg (Sachsen), Dom

Gottfried Silbermann 1710-14

Die Freiberger Domorgel war Gottfried Silbermanns erster Großauftrag und wurde zum Muster sowohl für seine eigenen späteren Arbeiten in Dresden als auch für seine Schüler. Vorbildhaft wurde beispielsweise seine Konstruktionsweise ohne Rückpositiv. Von seinem älteren Bruder Johann Andreas übernahm Gottfried Silbermann die französischen Zungen- und Cornetregister ebenso wie die Disposition freier Aliquotregister. Bemerkenswert ist Silbermanns Umbenennung des Registers „Krummhorn“ in das moderne „Chalumeau.“ Über Böhmen und Schlesien gelangte die Viola da gamba nach Sachsen und zu Silbermann. Im Unterschied zu norddeutschen Orgelbauern ebenso wie zu vielen seiner mitteldeutschen Zeitgenossen ist sein Pedal ein Bassklavier ohne hohe Melodieregister.

Silbermann konstruierte seine Orgeln nach einer Art von Baukastensystem, von kleinen einmanualigen Instrumenten ohne Pedal bis hin zu großen dreimanualigen Instrumenten. Auch seine Mensuren waren weitgehend standardisiert, gleichnamige Register zwischen einzelnen Instrumenten im Grunde genommen austauschbar. Dies erleichterte die Fertigung in bedeutender Weise und ermöglichte prinzipiell sogar die Fertigung von Registern auf Vorrat. Damit vollzog Silbermann einen wichtigen Schritt vom rein handwerklichen Orgelbau zu einer Produktion in frühindustrieller Manier.

Musikbeispiel:

J.S.Bach : Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ (aus dem Orgelbüchlein) BWV 639
Gespielt von Robert Köhler

Disposition

III+P/44

HW:

Bordun 16’
Principal 8’
Viol di Gamba 8’
Rohrflöte 8’
Cornet Disc. [8’] 5f.
Octave 4’
Quinte 3’
Octave 2’
Terz 13/5
Mixtur 2’ 4f.
Cimbel 11/3’ 3f.
Trompete 8’
Clarin 4’

BW:
Gedackt 8’
Principal 4’
Rohrflöte 4’
Nasat 3’
Octave 2’
Tertia 1 3/5
Quinte 1 1/2
Sifflöt 1’
Mixtur 1’ 3f.

P:
Untersatz 32’+16’
Principal 16’
Subbaß 16’
Octavbaß 8’
Octavbaß 4’
Mixtur 3’ 6f.
Posaune 16’
Trompete 8’
Clarin 4’

Schiebekoppeln OW/HW, BW/HW; Tremulant zum Ganzen Werk, Schwebung (Tremulant) zum OW

 

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